
In 30 Sekunden
- ChatGPT Images 2.5 bringt die API-Modelle Flare und Sunburst.
- Unser Produktmotiv und eine gezielte Textänderung gelingen bereits mit Flare überzeugend.
- Beim detailreichen Dom zeigt Sunburst feinere Ausarbeitung – sichtbar an Rosette, Altar, Figuren und Holzgestühl.
Ein Kaffeebeutel, eine Espressotasse und drei Bohnen: Ein kleiner Werbeauftrag reicht, um die Möglichkeiten heutiger Bild-KI sichtbar zu machen. Für jedes Bildpaar in diesem Artikel erhielten zwei Modelle exakt denselben englischen Prompt: Flare und Sunburst – die beiden Bildmodelle, die das KI-Unternehmen OpenAI am 8. September mit ChatGPT Images 2.5 vorgestellt hat.
OpenAI positioniert Flare als schnelle Standardwahl für Bildgenerierung und Bearbeitung. Sunburst soll besonders präzise kreative Änderungen ermöglichen, nimmt dafür laut Hersteller mehr Zeit in Anspruch. Diese Unterscheidung ist für die Praxis interessanter als die Frage, welches Modell das schönere Einzelbild produziert: Wer viele erste Entwürfe braucht, hat andere Anforderungen als jemand, der in einem freigegebenen Kampagnenmotiv nur ein Detail ändern möchte.
Derselbe Auftrag, zwei Gestaltungen
Unser Motiv ist ein fiktives Produktfoto für eine kleine Wiener Kaffeerösterei. Der Auftrag verlangt einen petrolfarbenen Beutel links, eine weiße Espressotasse rechts und genau drei Bohnen im Vordergrund. Auf dem Beutel sollen „MORGENWERK“, „WIENER RÖSTUNG“ und „250 g“ stehen. Dazu kommen eine helle Steinfläche, morgendliches Seitenlicht und orange Akzente im unscharfen Hintergrund.
Beide Ergebnisse halten die Grundanordnung ein und zeigen die verlangten drei Bohnen sowie lesbare Beschriftung. Trotzdem unterscheiden sie sich deutlich: Flare gestaltet den Aufdruck unmittelbar auf dem dunklen Beutel, Sunburst setzt ein helles Etikett darauf. Auch Verpackungsform, Ausschnitt und Hintergrund fallen anders aus. Genau diese Entscheidungen hatte der Prompt offengelassen.
Für einen ersten Werbeentwurf wirken beide Bilder überzeugend. Man kann an ihnen Licht, Materialwirkung, Schrift und Komposition konkret besprechen. Das ist ein brauchbarer Ausgangspunkt für eine Gestaltung – noch kein Nachweis, dass das Modell eine vorhandene reale Verpackung exakt reproduzieren würde.
Auch die kleine Änderung gelingt
Im nächsten Schritt sollte jedes Modell in seinem eigenen Bild ausschließlich „250 g“ durch „500 g“ ersetzen. Beide erledigten das korrekt. Verpackung, Tasse, Bohnen und Hintergrund blieben bei visueller Betrachtung nahezu unverändert. Ein Pixelvergleich zeigte allerdings auch außerhalb der Beschriftung kleine Veränderungen. Für einen gewöhnlichen Gestaltungsentwurf wirkt das Ergebnis überzeugend; wirklich pixelgenau unveränderte Bereiche sind mii beiden Modellen aber nicht garantiert.
Ein weiterer Versuch galt kleinem Text. Beide Modelle erzeugten auch in der kleinsten Stufe noch lesbare Umlaute, Chargennummern und Datumsangaben. Sie hielten allerdings die verlangte minimale Buchstabenhöhe von etwa sechs Pixeln nicht ein und machten den Text größer. Gute Lesbarkeit und genaue Befolgung einer Layoutvorgabe sind eben zwei unterschiedliche Qualitäten.
Ein Dom als anspruchsvoller Gegencheck
Um die Modelle stärker zu fordern, gaben wir beiden denselben Auftrag für einen erfundenen gotischen Dom: ein symmetrisches Kirchenschiff mit aufwendigen Gewölben, buntem Rosettenfenster und sechs detaillierten Heiligenfiguren. Die Figuren sollten unterschiedliche Gegenstände halten, darunter Bücher, einen Stab, Schlüssel und ein Kirchenmodell.


Aus der Entfernung wirken beide Ergebnisse überzeugend. Beim näheren Betrachten zeigt Sunburst jedoch mehr ausgearbeitete Details. Die Rosette, das runde farbige Fenster über dem Chor, wirkt in ihrer Binnenzeichnung differenzierter. Der Altar tritt mit seinen feinen Aufbauten und besseren Beleuchtung deutlicher hervor. Auch die Seitenschiffe sind im Detail sichtbar; die Bögen sind feiner gegliedert.
Dazu kommt die plastische Wirkung der Figuren: Gesichter, Gewandfalten und die Abstufung von Licht und Schatten geben Sunbursts Skulpturen einen stärkeren Eindruck von Volumen. Die vorderen Figuren bleiben zudem vollständiger im Bild, während Flare sie am Rand teilweise anschneidet. Im Mittelgrund ergänzt Sunburst ein aufwendig gestaltetes hölzernes Kirchengestühl mit erkennbaren geschnitzten Ornamenten. Flare zeigt ebenfalls Holzgestühl weiter hinten, setzt es aber deutlich weniger in Szene.
Diese Unterschiede machen Flare nicht zu einem schlechten Modell. Seine klare, etwas ruhigere Raumwirkung kann für einen bestimmten Gestaltungszweck sogar besser passen. Mehr sichtbare Einrichtung ist zunächst eine kompositorische Entscheidung, nicht automatisch höhere Genauigkeit. Für dieses detailreiche Motiv bevorzugen wir dennoch Sunburst: Der Blick findet in Fenster, Altar, Figuren und Holzarbeiten mehr ausgearbeitete Einzelheiten.
Was das für typische Firmenaufgaben bedeutet
Die praktische Erkenntnis ist erfreulich: Schon die Standardvariante liefert in unseren Beispielen eine Qualität, mit der sich ernsthaft arbeiten lässt. Für Kampagnenideen, Social-Media-Motive oder erste Visualisierungen muss ein Unternehmen nicht automatisch zum aufwendigsten Modell greifen. Diese Anwendungen sind mögliche nächste Einsatzfelder; unsere eigenen Versuche ersetzen keine Prüfung jedes einzelnen Arbeitsablaufs.
Bei einem konkreten Auftrag zählt zunächst, ob Bildwirkung, Text und wichtige Details stimmen. Wenn Flare das erreicht, braucht es keinen Wechsel allein deshalb, weil daneben eine höher positionierte Variante existiert. Bei sehr detailreichen Bildern kann sich der zusätzliche Anspruch von Sunburst dagegen lohnen. Der Dom zeigt, wo solche Vorteile sichtbar werden: in der räumlichen Wirkung und in Einzelheiten, die man erst bei genauerem Hinsehen entdeckt.
Unsere Empfehlung für typische Firmenaufgaben lautet deshalb: mit Flare beginnen und Sunburst dort einsetzen, wo zusätzliche Details für das Ergebnis tatsächlich zählen. Schon die Standardvariante ist bei unseren Beispielen gut genug für überzeugende erste Gestaltungen. Das verlagert die Aufmerksamkeit auf den konkreten Auftrag: Was muss das Bild leisten, wo wird es gezeigt, und welche Details müssen stimmen?
Mit Images 2.5 führt OpenAI außerdem Zeichnungen als Vorlage, Bildvorlagen, Kommentare am Bild und das Teilen von Prompts ein. Wie gut sich diese Werkzeuge in für betriebliche Ablauf nuetzen, werden wir in weiteren Tests herausfinden.
So entstand der Vergleich
Alle Versuche liefen am 9. September über die Images API mit ausdrücklich gewählten Modellen gpt-image-2.5-flare und gpt-image-2.5-sunburst. Pro Aufgabe und Modell gab es einen Durchlauf ohne Auswahl aus mehreren Ergebnissen. Die Produktbilder, die Textänderung und der Kleinstschrift-Test nutzten 1024 × 1024 Pixel bei Qualität medium; der Dom 1536 × 1024 Pixel bei high. Innerhalb jeder Aufgabe waren Prompt und Einstellungen gleich. Beim Dom enthielt der Prompt versehentlich zusätzlich die Vorgabe eines quadratischen Bildes, während die API ein Querformat verlangte; die Formatbefolgung bewerten wir deshalb nicht.
Die Textänderung erfolgte ohne Maske am jeweiligen eigenen Original. Vergrößerungen der Kleinschrift wurden ohne KI-Upscaling erzeugt. Mehrstufige Bearbeitung und die exakte Wiedergabe realer Produkte haben wir nicht geprüft. Die wenigen Beispiele erlauben keine allgemeine Rangliste, zeigen aber anschaulich, was bereits im ersten Versuch gelingt.
